Freitag, 20.07.2018 20:10 Uhr

Maßnahme oder Sinnfrei

Verantwortlicher Autor: Hans-Jürgen Hollstein Ulm, 24.01.2018, 22:22 Uhr
Presse-Ressort von: Hans-Jürgen Hollstein Bericht 6061x gelesen
sinnfrei oder nicht
sinnfrei oder nicht  Bild: ahj

Ulm [ENA] Es gibt Maßnahmen, die sinnvoll und zweckmäßig sind, aber es gibt auch Maßnahmen, die eigentlich keine sind. Laut Duden ist eine Maßnahme : Handlung, Regelung o. Ä., die etwas Bestimmtes bewirken soll. Die Frage ist immer nur was die letztliche Wirkung sein soll. Nicht alles erfüllt das Erhoffte.

Es gibt also sinnvolle Maßnahmen und welche die fragwürdig sind. Ein Beispiel für sinnfreie Maßnahmen bietet die Bundesagentur für Arbeit. Weniger an Steuergeldern orientiert, gehts um die Statistik. Wie bekomme ich die Zahlen der Arbeitslosigkeit geschönt? Ich packe die Arbeitssuchenden in eine Maßnahme - deren Kosten meist über dem Arbeitslosengeld liegt. Doppelte Kosten, aber laut Statistik weniger Arbeitslose. Naja, wie sagte bereits Adenauer: "traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast".

Steuer- oder Versicherungsgelder

Da jeder sozialversicherungs Beschäftigte in die Arbeitslosenversicherung einzahlen muß, sollte ihm auch ein Anspruch auf Leistung im Bedarfsfall zustehen. Sollte man meinen. Allerdings sieht man das nicht überall so. Im Normalfall werden Versicherungen abgeschloßen um Risiken abzusichern. Beim deutschen Staat werden jedoch Zwangsversicherung eingefordert, die dann an Bedingungen anknüpfen. Eine Bedingung heißt sich demütigen und schikaniern zu lassen. Sinnlose Bewerbungen und ständige Rufbereitschaft sind nur ein Teil davon. Der andere Teil nennt sich Maßnahmen.

Maßnahme-Beispiel

Es gibt eine Maßnahme zur "Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit". Hier werden Arbeitslose (keine Harz IV Empfänger) dazu abkommandiert an einer Schulung zur "Bewerbungs-Optimierung" teilzunehmen. Also Erwachsene Menschen mit Berufserfahrung sollen wie in der Schule erneut lernen wie man eine Bewerbung schreibt. Dem Einen mags helfen, Andere kommen sich veräppelt vor. Witzig ist dabei, das die Bundesagentur für Arbeit diesen Auftrag an externe "Bildungsträger" vergibt und die Probanden somit nicht mehr als Arbeitslos gelten. Die Kosten werden den Beitragsplichtigen auferlegt. Die Bundesagentur für Arbeit ist aus der Verpflichtung.

Die Schulung

Man geht also auf eine von der Bundesagentur für Arbeit angeordnete "Schulung". Jeder denkt "OK überarbeite ich meine Bewerbungsunterlagen" - doch dann, ... das ganze dauert 40 Tage. Aha ! Und in dieser Zeit werden keine Entschuldigungen oder Krankmeldungen akzeptiert - man muß "Nachsitzen". Wenn man nicht mitspielt werden Sanktionen fällig. Sanktionen bedeutet streichen der Bezüge - eine Versicherung in die man einbezahlt hat, streicht einem die Gelder die einem zustehen. Geht nur da der Versicherungsgeber Deutschland heißt. Klar kann man erfolgreich dagegen vorgehen, aber meist ist den Menschen dort schon die Möglichkeit finanziell nicht mehr gegeben.

Der Anfang

Man kommt also dahin, ohne Euphorie und hofft. Man hofft halt. Nette Menschen empfangen einen. Es wird erklärt das warten angesagt ist, weil es erst beginnt wenn von den angekündigten 20 Leuten so 20 % kommen. Die meisten kommen nicht und verzichten lieber auf ihre Bezüge. Naja, sagt auch viel. Es wird Kaffee getrunken und sich kennengelernt. Zur Überraschung keine Menschen die "abgestürzt" sind. Da ist der Ing. , die MTA, die Bürokauffrau, ...... also die Fachkräfte die uns angeblich fehlen.

Nach ein paar Tagen nähert sich die Gruppe an. Man tauscht sich aus und hilft sich gegenseitig die Unterlagen wie Lebenslauf und Bewerbungsschreiben zu optimieren. Ein Dozent macht derweil ein Nickerchen. Eine Dozentin schaut drüber. Lustig ist das sämtliche Bewerbungsunterlagen die vom gleichen Bildungsträger gefertigt wurden durchgehend für schlecht erachtet werden. Nach einer Woche sind dann in Zusammenarbeit mit den "Mitstreitern" die Unterlagen wie gewünscht. Es folgen 7 Wochen langeweile und frust.

Dazwischen

Werden EDV-Kurse absolviert, die die Jüngeren belustigen und die Älteren überfordern. Aufgrund der Mischung ist es dem Dozenten auch nicht möglich fundiertes Wissen zu vermitteln. Darum spielt der/die Eine mit Handy, der/die Andere schaut Filmchen, wieder Andere ruhen sich einfach aus. Fast jeder betrachtet sein Aufenthalt als verlorene Zeit und ist entsprechend frustriert. Es wird zuviel Zeit eingefordert für nichts!

Praktikum

Für den sogenennten Bildungsträger sind Erfolge wichtig, um eine Vertragsverlängerung mit der Bundesagentur für Arbeit zu erwirken, da Arbeitslosigkeit ein lukratives Geschäftsmodel ist. Also wird auf biegen und brechen was getan. So "darf" eine MTA mal schnell eine Woche bei einer Optiker-Kette die Brillen putzen. Eine Bürokauffrau in einem Agrarhandel bei der Inventur aushelfen. Eine Hauswirtschafterin kann ja mal als Spülkraft in einem Hotel tätig werden - alles unentgeldlich natürlich. Das wird dann als Erfolg dargestellt. Wenn jemand nicht mitspielt, gibts Ärger und die Androhung von Sanktionen.

Das Ende

Wenn dann endlich diese 8 Wochen vorüber sind, ist für Jeden nur noch von Bedeutung wie lange man "Nachsitzen" muß. Alle haben die Schnautze voll. 2 oder 3 haben auch wirklich Arbeit gefunden. Was in der Redeart des Bildungsträgers bei 30 - 40 Teilnehmer ca. 50% entspricht. Man bekommt eine Teilnahmebescheinigung, die mehr schadet als nutzt. Wer war schon gern auf einer Maßnahme zur Vermeidung von Langzeitarbeitzlosigkeit ? Bewerbungstechnisch ist dies aufjedenfall suboptimal.

Fazit

Gut gedacht ist nicht unbedingt gut gemacht! Manchen hat es geholfen, Andere fanden es lästig. Der Austausch unter den Teilnehmern und die gegenseitige Hilfe bringt was. Die kollektive Überarbeitung der Unterlagen ist berreichernd. Allerdings würde hierfür ein geringeres Zeitfenster optimaler sein um Frust abzuwenden. Die länge dieser "Maßnahme" ist nicht nur demütigend sondern auch Verschwendung von Steuergeldern.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.